Start Chronik Der Posaunengeneral
Der Posaunengeneral PDF Drucken E-Mail
Portrait von Pastor Johannes Kuhlo

KUHLO, Johannes, ev. Theologe und Führer der Posaunenchorbewegung, geb. 08. Okt. 1856 in Gohfeld als Sohn des Pastors Eduard Kuhlo, gest. 16. Mai 1941 in Bielefeld.

Kuhlo besuchte von 1868 an das Gymnasium in Herford, ab 1870 das Gymnasium in Gütersloh. Nach dem Abitur 1875 und einjähriger Militärzeit nahm er das Theologiestudium in Halle auf, wechselte 1876 an die Universität Leipzig und ging dort 1877 nach Erlangen.

Im Anschluss an das 1. Theologische Examen in Münster 1879 berief ihn der Sohn von Johann Hinrich Wichern als Kandidat der Theologie ins Rauhe Haus nach Hamburg. 1881 wurde Kuhlo Hauslehrer und Vikar in Alswede, ein Jahr später Pfarrer in Hüllhorst. 1885 heiratete er die Pfarrerstochter Anna Siebold aus Schildesche, mit der er zusammen elf Kinder hatte. Im Jahr 1893 wurde er auf Wunsch Friedrich von Bodelschwinghs Anstaltspfarrer in Bethel, wo er als Fremdenführer, Leiter der Anstaltspost, musikalischer Betreuer der Sing- und Blaschöre und als Vorsteher des Brüderhauses Nazareth tätig war. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1908 ging er 1915 eine zweite Ehe mit der Schwester Else Siebold ein. Den Vorstand des Brüderhauses Nazareth gab Kuhlo 1923 ab, endgültig in den Ruhestand trat er 1926, um sich fortan ganz dem geistlichen Bläserwesen zu widmen. Theologisch stand Kuhlo der neupietistischen Erweckungsbewegung nahe und war durch ein orthodoxes Luthertum und schlichten Bibelglauben geprägt, ohne theologisch-wissenschaftliches Interesse. In politischer Hinsicht war Kuhlo ein konservativer Monarchist und Nationalist; Ende des 19. Jhs. unterstützte er Stoeckers christlich-soziale Politik. Bereits vor dem Jahr 1933, der Machtübernahme Hitlers, trat er der NSDAP bei. Kirchenmusikalische Restauration, Bach/Händel-Renaissance und chorische Romantik bestimmten seine musikalischen Anschauungen, deren Grund sein Vater und der Leipziger Riedel-Verein legte und für die der Choral der Kristallisationspunkt aller Musizierformen darstellte. Von großer Bedeutung wurde Kuhlo für die Mitte des 19. Jhs. entstandenen Posaunenchorbewegung, indem er ihr ein in sich geschlossenes, und von den Idealen des A-capella abgeleitetes Chormodell hinsichtlich der Stimmung (eine einheitliche B-Stimmung), Instrumentation (ausschließlich weit mensurierte Instrumente der Hornfamilie), Notation (vierstimmige Partitur in Klavierschreibweise), Literatur (ausschließlich Vokalwerke) und Blastechnik (gesanglich-weiche Vortragsweise) vermittelte, das von ca. 1870 bis 1930 in den meisten Posaunenchören Deutschlands dominierte. Kuhlo lernte 1865 das Blasen auf einer Alt-Posaune, ab 1870 spielte er nur noch auf einem Flügelhorn, das er virtuos beherrschte. Zusammen mit seinem Vater gründete er 1871 den Gütersloher Gymnasialposaunenchor und führte die Klavierschreibweise anstelle der Militärschreibweise ein.

Auf einem Bläsertreffen in Hannover 1881 erhielt er den Titel "Posaunengeneral", 1891 wurde er in der Nachfolge seines Vaters Gau-Präses der Minden-Ravensberger Jünglings-, Jungfrauen- und Posaunenvereine und führte 1896/97 und 1899/1900 mit tausenden von Bläsern und Sängern vier Kaiserhuldigungen in Westfalen durch. Ab 1920 unternahm er mit dem Kuhlo-Horn-Sextett ausgedehnte Konzertreisen im In- und Ausland, 1926 wurde er vom Reichsposaunenrat für Posaunenchöre im Ev. Jungmännerwerk Deutschlands zum Reichsposaunenwart gewählt, 1933 zum Reichsposaunenführer der Evangelischen Posaunenmission Deutschlands, 1934 zum Ehrenpräsident des Verbandes ev. Posaunenchöre Deutschlands ernannt. Dieses erstmals alle deutsche Posaunenverbände umfassende Werk veranstaltete 1936 aus Anlass von Kuhlos 80. Geburtstag in Bielefeld einen Reichsposaunentag mit 4500 Bläsern. Kuhlo erfuhr im Laufe seines Lebens zahlreiche Ehrungen: 1897 wurde ihm der Kronenorden IV. Klasse verliehen, 1908 das lippische Ritterkreuz II. Klasse, 1917 die Rote-Kreuz-Medaille III. Klasse, 1927 die Ehrendoktorwürde durch die Theol. Fakultät Erlangen. 1936 die Wichernplakette. [Quelle: Wolfgang Schnabel]

 

Werke: Posaunenbuch I, 1891 (4. Aufl.); Anhang zum Posaunenbuch, 1886; Posaunenbuch II, 1891 (2. Aufl.) [die vorigen Auflagen verantwortete sein Vater Eduard Kuhlo]; Kaiserhuldigung durch die christl. Posaunenchöre Minden-Ravensberg bei der Einweihung des Porta-Denkmals am 18. Oktober 1896, 1897; Weihnachtsfeier für Kirche, Schule oder Haus, 1905 (13. Aufl.); Posaunenfragen, 1909 (3. Aufl.); Ein Beitrag zur Gesangbuchfrage, 1913; Die Feier der Nebengottesdienste, 1916; Im gleichen Schritt und Tritt (Marschliederbuch), 1919; Posaunenbuch III, 1922, Singbuch für die Feier der Nebengottesdienste, 1928 (3. Aufl); Posaunenbuch IV, 1928; Cantate (Frauenchorbuch), 1928; Laudate (Männerchorbuch), 1928; Unsere Posaunenchöre in Minden-Ravensberg, in: E. Schoneweg, Minden-Ravensberg, 1929, 345–348; Legenden über meine Begegnung mit Adolf Hitler, 1934; Schütz-Heft, 1935; Aus der Geschichte der Posaunenchöre, in: Spielet dem Herrn 17, 1936, 156 f.; außerdem verschiedene Marsch- und Duetthefte, Orgel- und Singbücher.

 
© 2009 - Posaunenchor Schwarz